Remote Learning braucht Lernkompetenz

Philip Nagler-Frank, unser AW Academy Trainer, hat das letzte Jahr unser neues Remote-Learning-Konzept entwickelt und getestet. Welche Erfahrungen er gemacht hat und wie Remote zum Erfolg werden kann, berichtet Philip in seinem Gastbeitrag.

Remote Learning ist definitiv kein Selbstläufer. Ebenso wenig wie Home-Office. Viele Tipps, die in den letzten Monaten zum Arbeiten im Home-Office verbreitet wurden, lassen sich auch auf das Remote Learning anwenden, es gibt aber auch Besonderheiten. Bei einigen Arbeitgebern ist mittlerweile angekommen, dass die Arbeitsergebnisse bei veränderten Bedingungen nicht automatisch gleich bleiben. Für uns, als Anbieter von Umschulung und Weiterbildung, ist das besonders relevant. Die zwischenmenschlichen Kontakte haben wir schon von Anfang an als wichtige Säule des Erfolges erkannt. Wenn sich das soziale Umfeld der Klasse nun also nur noch auf dem Bildschirm tummelt und die Lernenden sonst alleine im Zimmer sitzen, müssen wir hierauf ganz besonders achten. 

Coden lernen bedeutet, darüber zu sprechen

Die fehlende Möglichkeit, sich ungezwungen und informell über das Gelernte auszutauschen, kann im Zweifel auch dem motiviertesten Bootcamp-Teilnehmer zum Verhängnis werden. Als Lehrer bekomme ich auch weniger Signale darüber, ob wir die Lernziele erreicht haben. Unsere Teilnehmer haben im Remote Learning etwas mehr Verantwortung darüber, mir rechtzeitig Feedback zu geben. Deshalb ist es für mich als Remote-Trainer besonders wichtig, nicht nur die Lerninhalte und -etappen auf das veränderte Lernumfeld anzupassen, sondern eben auch die Art und Weise der Zusammenarbeit.

Damit Remote Learning in nur 12 Wochen wirklich zum erfolgreichen Abschluss für die Teilnehmer führt, haben wir bei AW Academy deshalb sowohl die Art der Vermittlung der Lerninhalte angepasst, als auch allen Teilnehmer generelle Kompetenzen für die selbstorganisierte Arbeit zuhause vermittelt. Und besonders letzteres ist ein absoluter Mehrwert in der heutigen Zeit. 

Remote Learning: Du bist nicht allein

Die Eigenverantwortung ist beim Arbeiten in den eigenen vier Räumen deutlich höher. Die Verlockung, auf „passiv“ zu schalten und die Inhalte nicht mehr aktiv zu verarbeiten, ist nach meiner Ansicht die größte Herausforderung. Wir wirken hier entgegen, indem wir die Lerninhalte in kleinen, theoretischen Schritten vermitteln gefolgte von der unmittelbaren praktischen Anwendung. Doch egal wie klein die Schritte sind, manchmal sind sie eben doch zu groß. Das heißt: Die Teilnehmer müssen aktiv sowie eigenverantwortlich nachfragen. 

Damit in der Gruppe niemand untergeht, sollte Remote Learning deswegen beständiges Feedback in kurzen Loops integrieren. Ich stelle das sicher, indem ich mehrfach täglich jedem Teilnehmer individuelle Fragen stelle und Feedback so proaktiv einhole.

"Remote Learning schafft viele neue Möglichkeiten, wenn das ganze Programm darauf abgestimmt ist."
Philip Nagler-Frank, AW Academy Trainer

Die digitale Wäscheklammer 

Da bei Remote Learning den Trainern wichtige nonverbale Rückmeldungen fehlen, haben wir uns bei AW Academy etwas einfallen lassen. Im Klassenzimmer hatten die Teilnehmer eine rote und grüne Wäscheklammer, mit der sie zeigen konnten, dass sie Hilfe möchten oder die aktuelle Übung abgeschlossen haben. Digital mussten wir das übersetzen – und zwar in die Funktionen “Handzeichen” und “rote Warnleuchten”, die jeder nutzen kann. Zudem verwenden wir spezielle Funktionen in unseren Coding-Programmen, die das gemeinsame Arbeiten am Code in Echtzeit ermöglichen. Hier kann die Zusammenarbeit durchaus noch enger und reibungsloser als im physischen Klassenzimmer sein. Auch sind für die Gruppenarbeit Breakout-Rooms wichtig. Haben vor Ort Gruppen in einzelnen Räumen gearbeitet, so arbeiten sie derzeit bei unseren Bootcamps eben bequemen von zuhause aus in verschiedenen digitalen Räumen, die ich als Trainer alle immer Blick habe. So kann ich direkt Feedback geben.

Am Ende folgt … der Remote-Roadtrip

Der wahre Erfolg für einen Trainer eines Remote-Learning-Trainings zeigt sich in erster Linie am Gruppenzusammenhalt. Wir alle sehen uns 12 Wochen jeden Tag. Eine sehr lange Zeit, die man gemeinsam verbringt und doch sollen am Schluss alle über die Ziellinie. Das auch beim Zuhause-Lernen ein echtes Gemeinschaftsgefühl entstehen kann, hat der letzte Kurs gezeigt. Denn hier haben die Teilnehmer schon Pläne für danach geschmiedet… ein gemeinsamer Roadtrip.

Remote Learning Rules

  1. Kamera an
  2. Häufig Pausen machen
  3. Bewegung außerhalb der eigenen vier Wände einbauen
  4. Extra Monitor
  5. Hochwertiges Headset 
  6. Bildschirm teilen 
  7. (Pro)aktiv sein