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2020-03-08

2020-03-04

Wo sind die Frauen?

Frauen können nicht programmieren. Männer sind schlechte Hebammen. Überholte Klischees? Auf jeden Fall! Doch selbst in Zeiten des IT-Fachkräftemangels gelten beim Recruiting noch Regeln, die aus der Steinzeit zu stammen scheinen. Ein Aufruf zur Diversität!

"Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Digitalisierungsgrad aber auch in der Arbeitswelt hinsichtlich technischer Ausstattung und Möglichkeiten zum flexiblen Arbeiten sind nach wie vor extrem."

Frauen können nicht programmieren. Männer sind schlechte Hebammen. Überholte Klischees? Auf jeden Fall! Doch selbst in Zeiten des IT-Fachkräftemangels gelten beim Recruiting noch Regeln, die aus der Steinzeit zu stammen scheinen. Ein Aufruf zur Diversität!

100.000 IT-Stellen bleiben unbesetzt. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Bundesverbandes für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hervor. Last Call for Recruiter sich nach geeigneten Fachkräften umzuschauen. Doch scheinen viele Personaler nicht zu wissen, wie sie nachhaltig und erfolgreich rekrutieren und Mitarbeiter/innen für die Zukunft aufstellen. Denn vom erklärten Ziel, einer Versechsfachung des Frauenanteils, ist die Industrie bisher weit entfernt. Doch wo sind die Frauen und warum sind viele Unternehmen „grau” anstatt vielfältig „bunt”?

ChancenUNgleichheit

Bei einem genauen Blick auf die Digitalbranche fällt auf, dass zwischen dem Digitalisierungsgrad und der Anzahl der dort beschäftigten Frauen kein signifikanter Zusammenhang besteht. Dies stellt das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung – kurz Kofa – in der aktuell erschienen StudieChancengleichheit und Digitalisierung” vor.

Doch der Scheint trügt! Gleichheit herrscht nur auf den ersten Blick. Denn schon bei genauerem Betrachten der Statistik fällt auf, dass je höher der Digitalisierungsindex, umso geringer der Frauenanteil bei den gut bezahlten Jobs. Je geringer das Gehalt, umso häufiger werden die Tätigkeiten von Frauen ausgeführt. Typische Beispiele sind Büro- und Sekretariatsberufe sowie Arbeiten im Projektmanagement oder Tätigkeiten in kaufmännischen Fortbildungsberufen.

IT-Berufe bedeuten Zukunft  

Der Einfluss von IT-Berufen auf die Digitalisierung ist enorm. Entsprechend hoch ist die Bedeutung der Diversität bei IT-Fachkräften für den zukünftigen Arbeitsmarkt – und damit auch für alle Unternehmen und Branchen. Denn die Informations- und Kommunikationstechnologien sind, laut Kofa, die Schlüsseltechnologien der Digitalisierung.

Die Recruiter stehen damit vor zwei Herausforderungen: Erstens müssen neue Entwickler, Software-Architekten oder auch Scrum Master rekrutiert werden, die es “scheinbar” nicht gibt. Denn wer klassisches Recruiting betreibt, wird nicht fündig. Der Markt ist hart umkämpft – wenn nicht je nach Region sogar leer. Doch alleine der Wunsch nach Vielfalt genügt nicht, um verschiedene Interessengruppen anzusprechen und auch von den Vorteilen der Vielfalt zu profitieren.

Denn Herausforderung Nummer zwei für Recruiter ist es, diese neue Interessengruppen für ein Feld zu begeistern, was bisher nicht ihr “Spielfeld” war. Kompliziert? Zu kompliziert? Nein, denn die Lösung für beide Herausforderungen ist die gleiche.

Gender und Digitalisierung

Besonders die gezielte Ansprache von Frauen ist wichtig, da aktuell in den Unternehmen ein enormes Ungleichgewicht diesbezüglich vorherrscht. Die Initiative D21 und das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit sprechen in ihrer aktuellen Studie hier sogar von dem sogenannten „Digital Gender Gap“. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Digitalisierungsgrad aber auch in der Arbeitswelt hinsichtlich technischer Ausstattung und Möglichkeiten zum flexiblen Arbeiten sind nach wie vor extrem. Frauen sind besonders bei digitalen Kenntnissen und Fähigkeiten im Rückstand. Ungleichheiten im Gebrauch digitaler Geräte im Arbeitsleben herrscht zudem vor. Die Vorsitzende des Kompetenzzentrums, Frau Prof. Barbara Schwarze, fordert deshalb „ein gezieltes digitales Empowerment von Mädchen und Frauen entlang der gesamten Bildungskette“.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Ausbildung können Personaler nicht beeinflussen, wohl aber die Weiterbildung. Denn zentrale Voraussetzungen für Chancengleichheit im digitalen Wandel ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in neue digitale Entwicklungen einbezogen werden und dass sie ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln. Und besonders in digitalen Berufen hat die Weiterbildung einen signifikanten Einfluss. Denn nicht nur die Arbeitsinhalte fordern eine beständige Entwicklung, auch das Naturell der Techniker strebt nach Veränderung.

Es gilt dabei zudem gezielt weibliche Talente zu finden und diese über verschiedene Lebensphasen hinweg weiterzuentwickeln. Dabei lohnt sich besonders ein Mix aus internen Schulungen sowie der Zusammenarbeit mit externen Spezialisten. Wer also auf Diversität setzt, der handelt nicht nur sozial verantwortlich, sondern profitiert auch wirtschaftlich.

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